Endlich Urlaub! Endlich Zeit zum Schreiben.

Mit einer Schreibreise kannst Du an tollen Urlaubsorten mit anderen Autor*innen schreiben. Aber wusstest Du, dass Du eine Schreibreise auch alleine machen kannst?

Statt sie als Pauschalreise zu buchen, kannst Du sie als Individualreise selbst organisieren.

Ich habe es ausprobiert: Schreiburlaub allein ist eine prima Möglichkeit, um das eigene Schreibprojekt voranzubringen. Allerdings bin ich in einige Fallstricke hineingestolpert.

Damit Du diese vermeidest und Dein Urlaub ein Schreiberfolg wird, habe ich ein paar Reisetipps plus Checkliste für Dich.

 

Warum alleine reisen und schreiben?

Ist die Schreibreise der Lieblingsdozentin ausgebucht? Ist sie zu teuer? Passt der Zeitraum nicht oder das Thema? Oder nimmt jemand teil, mit dem Du auf keinen Fall ein Bad teilen willst?

Dann plane Deine eigene Schreibreise!

Der Vorteil gegenüber einer Pauschalreise ist:

Keine Kompromisse. Du kannst alles auf Deine Bedürfnisse abstimmen: Zeitraum, Ort, Budget sowie Schreibthema, Schreibrhythmus und Schreibzeit. Du bist frei und musst Dich nicht nach der Gruppe und den Vorgaben des/r Schreibcoach richten.

Doch das ist auch der Nachteil:

Du musst Dich selbst um alles kümmern – um die Organisation und die Schreibmotivation vor Ort.

Machst Du alleine Schreiburlaub, gibt es kein Feedback und keine Hilfe durch Gruppe und Schreibcoach. Aber auch keine Ablenkung durch die Themen der Anderen und eine vorgegebene Agenda.

Mit der richtigen Reisevorbereitung bekommst Du aber auch die Organisation und Selbstmotivation in den Griff und kreierst die ideale Schreibreise für Dich.

 

1. Schritt: Bestimme Dein Reiseziel!

Schreibreisen finden meistens an wundervollen Urlaubsorten statt: Mallorca, Lissabon, Sylt …

Aber lass Dich davon nicht verführen! Denn hier lauert der größte Fehler.

Das Ziel einer Schreibreise ist nicht der Ort, sondern das Schreiben.

Daher sollte am Anfang der Reiseplanung die Frage nach Deinem persönlichen Schreibziel stehen:

  • Was willst Du schreiben? Welchem Schreibprojekt möchtest Du Dich widmen: Roman, Kurzgeschichte, Wettbewerbsbeitrag …? Mein Tipp: Fokussiere Dich auf ein Projekt.
  • Welche Schreibarbeiten sind dafür notwendig? Willst Du recherchieren, plotten, Figuren entwickeln, überarbeiten …?
  • Welches konkrete Schreibziel hast Du? Wie viele Wörter, Seiten oder Kapitel sollen es werden? Um welche Figuren geht es? Welche Plot-Baustellen? …

Notiere Dein persönliches Schreibziel so genau wie möglich.

 

2. Schritt: Lege die Reisezeit fest!

Das Gute an der individuellen Schreibreise ist: Sie passt garantiert in Deinen Kalender.

Wenn Du drei Wochen schreiben willst, kannst Du das machen. Wenn Du nur noch einen einzigen Tag Resturlaub hast, kein Problem!

Eine Schreibreise kann auch nur ein verlängertes Wochenende lang sein.

Was sagt Dein Kalender? Hast Du noch Resturlaub? Gibt es Brückentage?

Reserviere einen Termin für Deinen Schreiburlaub!

Und noch zwei Tipps:

  1. Frage Deine Figuren:
    In welcher Jahreszeit und welchem Klima bewegen sich Deine Figuren? Vielleicht hilft Dir ja ein Schreiburlaub im Winter, wenn Deine Geschichte an kalten, dunklen Tagen spielt.
  2. Kombiniere Literaturevents:
    Fährst Du auf eine Buchmesse oder ein Literaturcamp? Dann verlängere einfach Deinen Aufenthalt! Zur Leipziger Buchmesse bin ich schon zweimal früher angereist, habe zwei Tage in Leipzig geschrieben und dabei die tolle Buchmessen-Atmosphäre der Stadt genutzt sowie Fahrtkosten für eine extra Schreibreise gespart.

 

3. Schritt: Wie hoch ist das Reisebudget?

Schreibreisen mit guten Schreibcoaches an tollen Urlaubsorten haben ihren Preis. Wenn ich ehrlich bin, sind sie für mich oft zu teuer. Meine individuelle Schreibreise kann ich an meinen Geldbeutel anpassen.

Wie viel möchtest Du ausgeben?

Oder musst Du vielleicht sparen, um an einen besonderen Ort fahren zu können, der für Deine Geschichte wichtig ist? Wenn Du es weißt, kannst Du damit anfangen.

 

4. Schritt: Was ist ein toller Schreibort?

Vorsicht Fallgrube!

Bei der Wahl des Schreibortes solltest Du vorsichtig sein. Wähle ihn nicht danach aus, wo Du noch nie gewesen bist! Denn dann ergeht es Dir vielleicht wie mir:

Ich würde versuchen, die Gegend und Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Wenn das zum Schreibziel passt, gut. Wenn nicht, dann ist es pure Ablenkung.

Bestimme den Ort anhand Deines Schreibziels!

Suchst Du Inspiration und Trubel in einer Stadt? Oder brauchst Du Ruhe und einen weiten Blick? Berge oder Meer? Vielleicht haben Deine Figuren ein Mitspracherecht? Es kann nicht schaden, sie zu fragen.

Kreative SchreibreiseAuch die Frage, welche Ausstattung Du zum Schreiben brauchst, ist relevant.

Das Zimmer in Leipzig buchte ich nicht wegen der bequemen Fernseh-Couch, sondern weil es dort einen tollen Jugendstil-Schreibtisch gab.

Extra-Tipp: Fahren Freunde in den Urlaub und Du sollst die Blumen auf der Dachterrasse gießen? Vielleicht kannst Du die Wohnung hüten und dort schreiben. Oder haben sie sogar ein Haus mit Garten?

Für kreative Schreiborte muss man nicht um die halbe Welt reisen.

 

5. Schritt: Plane Deine Schreibtage!

Wann ist Deine beste Schreibzeit?

In dieser Zeit solltest Du im Schreiburlaub schreiben.

Klingt banal? Ist es aber nicht.

Denn kein Schreibcoach und keine Gruppe werden Dich motivieren.

Ich kann vormittags am besten schreiben. Doch was habe ich im Schreiburlaub gemacht?

Schreibreise am Strand

Am Strand schlafe ich immer ein …

Ich bin nach dem Frühstück an den Strand, weil es später regnen sollte. Am Strand schrieb ich nichts, sondern schlief ein. Na toll! Im Nachmittagstief hing ich dann träge vorm Laptop – und von Regen keine Spur.

Also, lass Dich nicht ablenken! Schon gar nicht von Sonnenschein, Strand und Sehenswürdigkeiten.

Leg Dir die Schreibzeit(en) im Vorfeld fest und stelle diesen Plan niemals in Frage!

Damit das klappt, habe ich mir einen Trick von der Methode des „Erfolgsteams“ abgeschaut:

Mache einen Freund / eine Freundin zum virtuellen Schreibcoach und berichte täglich, ob Du Dich an Deinen Schreibplan hältst.

 

6. Schritt: Schalte ab!

Autor*innen kennen das Problem: Social Media ist eine schlimme Ablenkung.

Daher gilt auch für den Schreiburlaub der alte Tipp:

Schalte beim Schreiben das Telefon und Internet ab.

Mit Familie und Freunden kannst Du im Vorfeld feste Zeiten vereinbaren, in denen Du erreichbar bist.

Am Anfang mag es ungewohnt sein, die Tage für Dich zu haben. Aber genau dann wirst Du in Dein Schreibprojekt richtig tief eintauchen können.

 

7. Schritt: Mach mal Pause!

Auch wenn die Schreibreise möglichst viel Output bringen soll, es ist trotzdem Urlaub. Und im Urlaub möchte ich mich erholen.

Dieser Wunsch muss nicht dem Schreibziel widersprechen. Denn wenn ich mich entspanne oder etwas unternehme, das mich inspiriert, dann steigere ich meine Schreiblust und Kreativität.

Womit könntest Du Dich in den Schreibpausen am Urlaubsort belohnen?

Du kannst Dir sogar einen ganzen Tag Schreibpause gönnen, um einen Ausflug zu machen. Wenn Du den persönlichen Schreibplan einhältst, wirst Du jede Pause richtig genießen – ohne schlechtes Gewissen.

 

8. Schritt: Reise mit wenig Gepäck!

Lass die Bücher zu Hause!

Ich kann den Aufschrei bis hierher hören: Neeein, niemals! Als Autor*in ist es doch gut, viel zu lesen.

Stimmt.

Trotzdem: Probiere es mal aus und verreise ohne ein Buch. Du gewinnst viel Zeit für Deinen eigenen Roman – zum Nachdenken und Schreiben.

 

9. Schritt: Schließe einen Reisevertrag ab!

Checkliste Schreibreise

Checkliste: individuelle Schreibreisen

Plane Deine Reise schriftlich! Wenn Du es aufschreibst, ist es verbindlich und lässt sich nicht ganz so einfach vergessen.

Ich habe eine Checkliste erstellt, mit der Du Deine Schreibreise planen kannst.

Am Ende wirst Du zwei Unterschriftsfelder finden, mit denen Du die Checkliste zum persönlichen Vertrag machen kannst.

Das ist albern?

Im Gegenteil! Ich glaube, wir müssen uns als Autor*innen ernst nehmen. Nur so, werden wir die Zeit für unsere Geschichten gegen alle anderen wichtigen Dinge im Leben verteidigen können.

 

Schreibreise in der Stadt

Schreiben im Grünen – klappt auch in der Stadt

Alleine Reisen ist blöd?

Wenn Du noch nie alleine verreist bist, denkst Du vielleicht:

Alleine Reisen ist blöd und nichts für mich.

Nein, es ist nur ungewohnt. Aber für Autor*innen geradezu ideal.

Denn Schreiben braucht Ruhe, Konzentration und damit auch Einsamkeit. Du musst ja nicht gleich wochenlang in eine abgelegene Hütte im Wald ziehen.

(Obwohl … Ich würde das gern mal ausprobieren. Also gern her mit den Tipps!)

 

Ahoi!

Gute Reise und  frohes Schreiben!

Ich freue mich auf Reiseberichte! Und wenn Du weitere Tipps von Deinen Schreibreisen mitbringst, poste sie gern als Kommentar!

 

Fotos:
Frau auf Berg: Tyler Nix / Schreibmaschinen: Matt Artz