Korkenknallen, Feuerwerk! Ich habe es geschafft:

426 Seiten, 94.548 Wörter, knapp 600.000 Zeichen.

Die Rohfassung meines Romans ist fertig.

Ein fünf Zentimeter dicker Stapel Papier liegt auf dem Wohnzimmertisch. Ich schaue ihn stolz an. Er stöhnt:

Überarbeite mich!

Und ich denke: Schnell weg!

 

Urlaub vom Manuskript

Der Batzen Papier setzt mich unter Druck. Die Gedanken ans Überarbeiten trüben meine Freude. Zack, das Manuskript landet in der Schublade.

Ich brauche eine Pause – ein paar Wochen Urlaub vom eigenen Text. Wenn ich mich richtig erinnere, empfiehlt auch Stephen King, den Text vor der Überarbeitung wegzulegen, oder?

Ich will das Etappenziel feiern, mich von Freunden und Kolleg*innen beglückwünschen lassen. Und dann kommt die Frage:

Wie lange hast Du für die Rohversion gebraucht?

Ich schaue meine Blogbeiträge durch und überfliege den mühsamen Weg mit all den Hindernissen, Fallgruben und Höhepunkten:

  • 01/2016 | Idee: Ein Zeitungsartikel hat mich inspiriert.
  • 04/2016 | Kritik: Ich erzähle meine Idee in der Autorenausbildung.
  • 06/2016 | Kaugummi: Das Plotten ist zäh. Die Arbeit an Figuren und Handlung führt zu Grübelfalten.
  • 11/2016 | Aufregung: Mit Exposé, den ersten 50 Seiten und einer Lesung vor Lektoren absolviere ich die Schreibausbildung.
  • 12/2016 | Krise: Ich erhalte meine ersten Agentur-Absagen.
  • 01/2017 | Teamarbeit: Mit Autorengruppe und Schreibteam bleibe ich am Schreiben dran.
  • 03/2017 | Panik: T.C. Boyle hat mein Buch geschrieben. Naja, fast.
  • 06/2017 | Routine: Ich miete ein Schreibzimmer, um vormittags zu schreiben.
  • 10/2017 | Anerkennung: mein erster Erfolg bei einem Literaturwettbewerb.
  • 03/2018 | Lesung: Ich lese auf der Leipziger Buchmesse aus meinem Manuskript.
  • 08/2018 | Fertig: Die Rohversion steht.

Über zweieinhalb Jahre habe ich von der Idee bis zur Erstfassung meines Romans gebraucht. Ich bin wohl die Schnecke unter den Autor*innen. Doch meine Autorengruppe klatscht trotzdem:

Denn die Geschichte ist von Anfang bis Ende erzählt.

 

Jetzt nur noch überarbeiten!

„Die Rohversion ist nicht der Roman“, erkläre ich Freunden und Familie. „Jetzt kommt noch die Überarbeitung.“

Sie jubeln: „Nur noch überarbeiten! Dann bist Du ja bald fertig.“

Ich runzle die Stirn und denke: Nur noch?!?

Das sind 426 Seiten. Ich muss recherchieren, Experten für die Details befragen, den zeitlichen Ablauf zurechtbiegen, nach Plot-Löchern suchen, den Stil schleifen. Auf der To-Do-Liste, die ich während des Schreibens geführt habe, stehen schon über 60 Aufgaben.

Mein Roman-Manuskript

Wow, so viele Seiten geschrieben!

Mein Roman-Manuskript

Oh je, so viele Seiten überarbeiten!

Womit fange ich an? Muss ich etwa die vielen Seiten mehrmals durcharbeiten?

Im Moment habe ich keinen Plan.

Ich weiß nur, dass ich bis Jahresende eine überarbeitete Version haben möchte, die ich Literaturagenturen anbieten kann.

Ist das realistisch?

 

Der Traum vom fertigen Roman

Mit Magendrücken denke ich an die selbst gesetzten Deadlines zurück, die ich in meinem Romanprojekt gerissen habe. All meine Erfahrungen im Projektmanagement haben nichts genützt.

Einen Roman zu schreiben, verläuft offenbar nach eigenen Regeln.

„Ich liebe Deadlines. Ich liebe dieses zischende Geräusch, wenn sie vorbeirauschen.“

Douglas Adams wusste Bescheid.

Wenn ich am Anfang gewusst hätte, wie lange es dauert, einen Roman zu schreiben … Ja, was dann?

Ich hätte trotzdem angefangen zu schreiben. Ich habe diesen Traum. Der Weg zum fertigen Buch ist lang.

Daher beruhige ich mich erstmal mit dem Rat des bekanntesten Reiseführers im Universum:

„Keine Panik!“

 

Hast Du noch einen anderen guten Rat?

Ich freue mich über Tipps fürs Überarbeiten.