Juchhu! Ich tanze vor dem Schreibtisch. Der Grund ist eine E-Mail von einem Literaturwettbewerb:

Mein Text wird veröffentlicht.

Mein erster Erfolg bei einem Schreibwettbewerb! Ein Uni-Wettbewerb – ein kleiner Erfolg, bedeutungslos im Literaturbetrieb, ein Preis ohne Wert … Puff!

Das Glück zerplatzt. Der innere Kritiker hat es wieder mal geschafft. Was treibt diesen Quälgeist bloß an?

Ich verrate es Dir:

Es ist mein Streben nach Anerkennung, das von der Freude über einen Schreibwettbewerb zur existenziellen Frage führt: Was bin ich als Autorin wert?

 

Das Selbstbewusstsein als Autor*in

„Was machst Du?“, fragt ein alter Studienkollege, den ich zufällig beim Business Lunch treffe.

„Ich bin Autorin und schreibe meinen ersten Roman.“ 

„Schade, aus Dir hätte etwas werden können.“

Fiktion! In Wahrheit spricht er nicht aus, was sein Blick verrät.

In Wahrheit bin ich aber auch nicht sicher, ob ich mich ohne fertigen Roman als Autorin bezeichnen darf? Auf meinem Autorenblog begann ich daher als „angehende Autorin“ und traute mich erst nach Abschluss der Schreibausbildung, das nutzlose Adjektiv zu streichen.

Doch auch mit Zertifikat bleibt es schwierig, auf Partys oder beim Verwandtenbesuch, souverän mein Ziel zu erklären, als Schriftstellerin arbeiten zu wollen.

Denn irgendwann kommt die Frage, die jedem künstlerischen Selbstbewusstsein die Flügel stutzt:

 

„Und womit willst Du Geld verdienen?“

Solange man kein Geld mit dem Schreiben verdient, ist es bloß Hobby. So einfach ist es und scheinbar logisch. Das Steuerrecht spricht, beinahe poetisch, von Liebhaberei.

Geld bestimmt den Wert.

Auch Autor*innen unterliegen diesem Wirtschaftsprinzip. Idealismus und gesellschaftliche Verantwortung hin oder her – die Miete muss bezahlt werden.

Literatur ist ein Markt; schriftstellerische Anerkennung wird im Wettbewerb um Aufmerksamkeit errungen.

Die meisten Autor*innen können nicht vom Schreiben leben. Woran soll sich ihr Selbstbewusstsein festhalten, wenn Geld die gesellschaftliche Messlatte ist?

Sind Literaturwettbewerbe der rettende Strohhalm?

Eine Zeitlang nahm ich regelmäßig teil. Wenn ich schon nicht vom Schreiben leben kann, wollte ich wenigstens sagen können: „Schau, mein Text ist gut! Er wurde prämiert.“

Doch wenn die Prämierungstermine ohne Antwort verstreichen, durchweicht der Strohhalm und das Selbstbewusstsein versinkt.

Deshalb stelle ich die Frage: Lohnt sich die Teilnahme an Literaturwettbewerben überhaupt?

 

Literaturwettbewerbe lohnen sich nicht!

Schreibzeit

Selten liegt ein Text in der Schublade, der genau zum Thema und den Teilnahmebedingungen eines Schreibwettbewerbs passt. Jede Bewerbung kostet somit Zeit. Schreibzeit, die für den Roman fehlt.

Daher habe ich Anfang dieses Jahres entschieden, an keinen Wettbewerben mehr teilzunehmen.

Was gegen Literaturwettbewerbe spricht:

  • Mit Wettbewerben kann man sich verzetteln, ohne seinem großen Schreibziel näher zu kommen.
  • Die meisten Preisgelder sind zu gering, um davon Miete und Leben zu zahlen.
  • Bei den wenigen Wettbewerben mit mehr als 1.000 Euro Preisgeld ist die Konkurrenz riesig und die Erfolgswahrscheinlichkeit für Newcomer winzig.
  • Das Selbstbewusstsein leidet, wenn keine Antworten kommen. Die Motivation sinkt – eine Schreibkrise droht.

Du fragst Dich jetzt bestimmt, wie ich beim Wettbewerb erfolgreich war, wenn ich gar nicht teilgenommen habe.

Wie immer im Leben: keine Regel ohne Ausnahme!

 

Warum sich Literaturwettbewerbe doch lohnen.

Logo EAM Science meets Fiction

Der Wettbewerb „EAM Science meets Fiction“ klang im Titel so interessant, dass ich mir die Teilnahmebedingungen anschaute. Die Universität Erlangen-Nürnberg suchte literarische Texte für eine Ausstellung von 16 Wissenschaftsbildern.

Zwar habe ich null Ahnung von Hochleistungsmaterialien, aber meine Protagonistin Elena ist Wissenschaftlerin und wusste damit etwas anzufangen. Bang! Bei Bild 16 zündete die Idee für eine Szene in meinem Roman.

Zwei Wochen investierte ich für drei Seiten Text. Zeit, die garantiert nicht verschwendet war – egal, ob eine Antwort kam oder nicht.

Was für den Literaturwettbewerb spricht:

Literaturwettbewerb: EAM Science meets Fiction

Alles Käse? Literaturwettbewerb „EAM Science meets Fiction“

  • Er hat mich inspiriert: Ich habe eine Szene für meinen Roman geschrieben, auf die ich ohne diesen Wettbewerb nicht gekommen wäre.
  • Durch die Begrenzung der Zeichenzahl habe ich meinen Schreibstil verbessert. Für unnütze Adjektive und Beschreibungen war kein Platz – der Text wurde erst durchs Kürzen gut.
  • Ich habe meine Zielgruppe kennengelernt: Mein Text scheint den Geschmack von Wissenschaftlern zu treffen. Wer weiß, vielleicht kann ich der Uni später sogar mitteilen, wenn mein Roman fertig ist?

 

Meine Regel für Literaturwettbewerbe

Bleibt nur noch die eine Frage:

„Bekomme ich für die Veröffentlichung Geld?“

Nein.

Trotzdem hat sich der Wettbewerb gelohnt – für meinen Roman und für mein Autoren-Ego. Und dafür, dass ich nun weiß, wann es sinnvoll ist, die Schreibzeit für Literaturwettbewerbe zu investieren. Meine persönliche Regel lautet:

Solange ich meinen Roman schreibe, nehme ich nur an Wettbewerben teil, die zu meinem Romanprojekt passen und mich dabei weiterbringen.

Für Science-Fiction und Zukunftsromane bleibt da nicht viel übrig. Das ist super:

Ich spare Zeit fürs Schreiben, weil ich nicht mehr so viele Teilnahme-Bedingungen lesen brauche.

 

Nimmst Du an Wettbewerben teil?

Teilst Du meine Ansicht, dass sich eine Teilnahme an Wettbewerben nur selten lohnt?

Nach welchen Kriterien entscheidest Du Dich für oder gegen eine Teilnahme?

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