Am Samstag, den 24. November kommt das Lese-Event „9lesen“ nach Berlin.

Und ich bin mit dabei!

Im Sommer erreichte mich per Twitter die Anfrage, ob ich teilnehmen möchte. Jaaa! Na klar! Schließlich habe ich seit meiner Lesung in Leipzig Lese-Blut geleckt.

9lesen ist keine normale Lesung – es ist eine Lesereihe mit jeweils 9 Autor*innen.

Wie alles begann? Welche Vision hinter dem Veranstaltungsformat steckt? Und warum ich mit aufgenommen wurde? Ich habe nachgefragt:

 

Lesen als Event – Interview mit Jana Tomy

Es ist Freitagmorgen. Ich bin verabredet zum Telefoninterview mit Jana Tomy. Sie ist neben Andrea Schrader eine der Organisatorinnen. Pünktlich sitze ich im Schreibzimmer. Aber wo ist mein Handy?

Vergessen! Ich muss zurück nach Hause, die Wege doppelt und dreifach radeln. Doch als Janas Stimme schließlich in der Leitung trällert, steckt sie mich sofort mit guter Laune an und der Fehlstart in den Tag ist vergessen.

 

Liebe Jana, wie kam es dazu, eine Lesereihe zu etablieren?

Das war eigentlich gar nicht geplant. 9lesen sollte ursprünglich eine einmalige Veranstaltung während der Leipziger Buchmesse sein. Doch die Resonanz an dem Abend hat alle Lesenden motiviert und eine Dynamik in Gang gesetzt.

Wir mussten einfach weitermachen.

Zu der zweiten Lesung während der Frankfurter Buchmesse kamen noch mehr Leute – so etwa 70. Und auch für die kommende Lesung während der BuchBerlin haben wir einen Raum in dieser Größenordnung gebucht.

 

Was ist bei 9lesen anders als bei normalen Lesungen?

Bei den meisten Lesungen treten ein, zwei oder auch mal drei Autor*innen auf.

Bei uns gibt es 9 Autor*innen und damit einen bunten Mix an Texten und Genres.

Zudem sind die Autor*innen weniger bekannt und stehen nicht auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ich glaube, besonders ist auch, dass bei uns Selfpublisher, Verlagsautoren und unveröffentlichte Autor*innen gemeinsam einen Abend gestalten.

9 Texte bedeuten natürlich weniger Zeit für die einzelnen Autor*innen. Aber für das Publikum entsteht so eine größere Themenvielfalt.

 

Wie hat das Publikum bisher reagiert?

Sowohl in Leipzig als auch in Frankfurt haben wir super Feedback bekommen.

Ich habe mehrfach gehört, dass Leute wegen einer bestimmten Person gekommen waren, am Ende aber noch ein anderes Buch kauften. Und es gab Leute, die gern ein Buch gekauft hätten, das noch gar nicht veröffentlicht ist, weil sie den gelesenen Text so toll fanden.

Auf unseren Lesungen kann das Publikum etwas Neues entdecken.

Und das kommt offenbar gut an.

 

Wenn sich Leute für ein unveröffentlichtes Werk interessieren – das muss toll sein für die Autor*innen. Hast Du das genauso erlebt? Du schreibst gerade Dein Romandebüt.

Ja, ich veröffentliche gerade meinen ersten Fantasy-Roman. Auf unserer ersten Lesung in Leipzig haben mich zwei Verlage angesprochen, nachdem sie mich gehört hatten.

Mit dem Gedankenreichverlag habe ich dann einen Verlagsvertrag unterschrieben. Mein erstes Buch wird voraussichtlich Ende dieses Jahres erscheinen.

Autorin Jana Tomy

Jana Tomy, Mitorganisatorin von 9lesen

Jana Tomy begann ihren Weg im Theater. Dort entdeckte sie das Geschichtenerzählen für sich – von der Bühne zum Schreibtisch.
Mit ihrem Projekt „freiwilliges Autorenjahr“ machte sie sich als Autorin selbstständig und arbeitet mittlerweile an ihrem zweiten Roman.
Die Schauspielerei hat sie zu ihrem Nebenjob gemacht.

Website: jana-tomy.de
Twitter: JanaTomyAutorin
Facebook: janatomy.autorin

Wow, herzlichen Glückwunsch! Wie sind die Verlage auf 9lesen aufmerksam geworden?

Wir haben auf Twitter für unsere Lesung geworben. Bei 9 Leuten entsteht da natürlich ein größerer Lärm, als wenn man nur seine eigene Community informiert. Das multipliziert sich.

Aber die Verlage habe ich persönlich eingeladen. Ich hatte mir im Vorfeld drei rausgesucht. Und wie man sieht, es lohnt sich, wenn man sich traut, Verlage anzusprechen und zur eigenen Lesung einzuladen.

 

Würdest Du sagen, dass Lesungen für alle Autor*innen eine Chance sind – auch für diejenigen, die großes Lampenfieber haben?

Die eigene Stimme kann ein wirklich gutes Marketing-Werkzeug sein. Der Schreibstil und die Begeisterung für den Stoff lassen sich hautnah erfahren, wenn die Autorin oder der Autor selbst liest.

Aber auch unabhängig vom Marketingeffekt kann eine Lesung unglaublich wertvoll sein.

Autor*innen arbeiten die meiste Zeit allein und stellen sich viele Fragen, zum Beispiel ob sie es schaffen, ihr Werk zu veröffentlichen und ob es jemand lesen will. Das Feedback auf einer Lesung ist eine wichtige Erfahrung, die enorm motiviert.

Ich habe von unseren Lesenden immer wieder gehört, dass sie sagen:

„Ja, ich hatte Schiss, aber toll, dass ich mich getraut habe.“

Einmal allein mit seinem Text im Mittelpunkt zu stehen, ist genauso toll, wie ENDE unter das Buch zu schreiben.

 

Was ist die Vision für „9lesen“?

Mmh, das ist eine schwierige Frage. Die Lesereihe hat sich ja aus der Leidenschaft der Lesenden heraus ergeben.

Aber wir wollen weiter wachsen. Wir wollen mehr Autor*innen die Möglichkeit geben, zu lesen und es fürs Publikum spannend halten, indem wir auf jeder Lesung neue Texte präsentieren.

Wir wollen auch professioneller werden und suchen Sponsoren, um z.B. Plakate, Flyer und die Technik zu bezahlen.

Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir unseren Lesenden ein Honorar zahlen können.

Ich persönlich bin froh, dass ich bei 9lesen Autor*innen beim Schritt zur eigenen Lesung begleiten darf. Als Schauspielerin freue ich mich immer, wenn ich sehe, wie die Leute vorm Publikum aufgehen, wenn sie ihre Angst überwinden und sich trauen.

9lesen verstehe ich als eine Gemeinschaft, die sich unterstützt. Es ist ein großer Schritt, vor Anderen zu lesen, vielleicht sogar aus einem unveröffentlichten Werk, das nicht lektoriert ist. Gemeinsam wachsen wir dabei.

 

Können sich Autor*innen bewerben?

Tatsächlich haben wir schon Bewerbungen bekommen. Auch nachdem wir im Heldenreise Podcast darüber gesprochen haben.

Wir können aber nichts versprechen. Wenn bei einer Lesung ein Platz frei ist, suchen wir neue Autor*innen.

Wer bei 9lesen dabei ist, muss kein perfektes Exposé vorweisen. Uns geht es um die Leidenschaft für die Texte.

Aber unsere Autor*innen meinen es auf jeden Fall ernst. Ich glaube, wer sich mit seinem Text allein vors Publikum stellt, will veröffentlichen. Das merken die Leute und auch die Lektor*innen bzw. Verleger*innen, die neue Talente suchen.

 

Wie bist Du darauf gekommen, mich für die Lesung in Berlin anzufragen?

Wir kannten uns über Twitter und haben uns auf der Leipziger Buchmesse persönlich kennengelernt. Ich habe Dir von unserer Lesung erzählt und Du warst begeistert davon. Daran habe ich mich erinnert. Ich wusste, dass Du auf der LBM gelesen hast. Zudem war Dein Genre interessant, weil wir das noch nicht hatten.

Um jemanden bei 9lesen aufzunehmen, ist es auf jeden Fall von Vorteil, wenn man sich persönlich getroffen hat oder vielleicht auch schon mal was von der Autor*in oder dem Autor gelesen hat. Wir nehmen daher bei Interesse immer persönlich Kontakt auf.

 

Du hast erwähnt, dass Du neben dem Schreiben auch als Schauspielerin arbeitest. Welche drei Tipps kannst Du Autor*innen für eine Lesung geben?

1) Lesen üben

Den Text laut lesen! Das ist anders als ihn leise für sich selbst zu lesen. Wenn man laut liest, erkennt man, wo der Text Pausen oder Betonungen braucht, wo man die Stimme senken oder heben muss oder wann man langsamer oder schneller werden kann.

Bei 9lesen geben wir unseren Lesenden Deadlines vor, bis wann die Lesestelle feststehen muss. Wir sagen, die Leute sollen sich zwei Wochen Zeit nehmen, um das Lesen zu üben. Und das machen sie dann auch.

2) Zeichen im Text machen

Für die Lesung – gerade, wenn es die erste ist – solltest Du Dir im Text Zeichen machen. Du kannst die Pausen, Betonungen etc. markieren – mit Häkchen, Strichen oder auch dem Wort „PAUSE“.

Du kannst selbst entscheiden, wie Du es machst. Hauptsache, es hilft während der Lesung, sich an der richtigen Stelle zu erinnern.

Die Autor*innen mit veröffentlichtem Buch sollten sich ein Leseexemplar mit ihren persönlichen Hinweisen erstellen.

Manuskript mit Hinweisenfür die Lesung

In Janas Text steht „T“ für eine kurze Pause und „!“ für laute Stimme.

3) Spaß haben

Ich weiß, das ist der schwerste Tipp überhaupt: zu entspannen.

Atemübungen vor der Lesung wären natürlich hilfreich. Aber das lässt sich in der Situation nicht so einfach umsetzen. Am Besten man sagt sich:

„Ich bin so gut vorbereitet, wie es ging. Jetzt genieße ich es einfach.“

 

Danke Jana, für die Tipps und das Interview. Bis zur Lesung in Berlin!

 

9lesen live erleben!

Plakat für die Lesung in Berlin von 9lesenHast Du Lust, 9lesen in Berlin zu erleben?

Du bist herzlich eingeladen!

Samstag, 24. November 2018, 20 Uhr
Ort: Zur Wulle, Wullenweberstr. 15, Berlin-Moabit
Eintritt: Soviel es Dir wert ist.
Mehr Infos: 9lesen.de

Die Deadline von Jana habe ich eingehalten. Mein Text für die Lesung steht fest:

Ich werde aus meinem unveröffentlichten Mars-Projekt lesen und lasse dafür sogar Lesezeichen drucken.

Sehen wir uns?