Beerdigt in meiner Schublade.

Die Zeit meines Diktiergerätes ist lange vorbei. Lange vorbei mein Studium, in dem ich für die Diplomarbeit nächtelang Interviews transkribierte.

Doch nun habe ich den analogen Saurierknochen ausgegraben und von der Mikrokassette ein Foto für den Blog gemacht. Warum?

Ein Tweet der Thriller-Autorin Patricia Walter ließ mich große Augen machen:

Sie nutzt zum Schreiben ihrer Romane ein Diktiergerät.

Brauche ich als Autorin ein Diktiergerät? Warum reicht dafür kein Smartphone? Und wie arbeite ich in welcher Schreibphase mit Aufnahme und Wiedergabe?

Offenbar habe ich den passenden Schreibtipp bisher überlesen.

Daher habe ich Patricia Walter gefragt – und sie hat es mir verraten:

 

Werkstattgespräch mit Patricia Walter

Patricia, Du hast zwei Romane bei beTHRILLED, dem Imprint von Bastei Lübbe veröffentlicht. Dein neues Jugendbuch liegt beim Lektorat. Wie lange schreibst Du schon – wie lange hat es gedauert bis zum Verlagsvertrag?

Ich habe mit sieben Jahren angefangen, zu schreiben. Aber erst mit 37 Jahren hab ich mir eine Agentur gesucht, und vier Jahre später hatte ich dann meinen ersten Verlagsvertrag bei Bastei Lübbe für „Kalte Erinnerung“.

 

Vier Jahre? Als Autorin braucht man offenbar Geduld. Seit wann nutzt Du ein Diktiergerät beim Schreiben? Schon von Anfang an?

Nein. Anfangs habe ich meine Ideen in Heften notiert.

Allerdings kommen mir die meisten Ideen immer kurz vorm Einschlafen, d. h. ich musste immer Licht anmachen, Heft holen und alles aufschreiben. Danach war ich dann natürlich wieder hellwach. Das war der Grund, warum ich mir schließlich ein Diktiergerät zugelegt habe, denn das kann ich auch im Dunkeln bedienen.

Oder beim Spazierengehen, denn auch hier kommen mir immer viele Ideen.

 

Patricia Walter nutzt ein Diktiergerät beim Buch schreiben

© heike ulrich fotowork

Wie bist Du darauf gekommen? Hat Dir jemand einen Tipp gegeben?

Ich habe eine Möglichkeit gesucht, wie ich immer und überall, also auch im Dunkeln, meine Ideen notieren kann. Da lag ein Diktiergerät nahe.

 

Ich schreibe meinen ersten Roman – es dauert so viel länger als gedacht. Fehlt mir ein Diktiergerät, um so produktiv zu schreiben wie Du?

Es dauert immer länger als gedacht, einen Roman zu schreiben! 🙂

Jeder Autor arbeitet anders, deshalb kann ich die Frage nicht generell beantworten. Ich kann nur für mich sprechen, und mir hilft es enorm.

 

Wie genau nutzt Du das Diktiergerät? Diktierst Du ganze Sätze und Passagen? Oder sind es Ideen, die Du sammelst?

In erster Linie zum Ideensammeln und bei der Überarbeitung. Wenn mir gute Sätze einfallen, dann spreche ich die natürlich auch drauf.

 

Nimmst Du auch heimlich Dialoge auf – in der Bahn oder im Café? (Grins!)

Ja, und ich habe schon den ein oder anderen seltsamen Blick geerntet, wenn die Worte „Mörder“ und „töten“ fielen … Seitdem bin ich diesbezüglich etwas vorsichtiger.

 

In welcher Phase des Schreibens hilft das Diktiergerät? Auch beim Plotten?

Eigentlich in jeder.

Am Anfang natürlich bei der Ideensammlung, aber auch später beim Plotten, Schreiben und der Überarbeitung – sobald mir etwas einfällt, das ich ergänzen, ändern oder anpassen muss, sprech ich es auf mein Diktiergerät und arbeite es ein, sobald ich am Laptop bin.

 

Cover Kalte Erinnerung

Der 1. Thriller von Patricia Walter

Bei der Produktion meines Hörspiels habe ich gelernt, dass sich Dialoge verbessern lassen, wenn man sie aufnimmt und anhört. Nutzt Du das Diktiergerät auch für Dialog-Überarbeitungen?

Das ist eine gute Idee! Muss ich mir merken. Bis jetzt hab ich Dialoge immer laut vorgelesen, um zu erkennen, wo Verbesserungspotential steckt. Sie aufzunehmen, muss ich mal ausprobieren.

 

Sprechen ist schneller als schreiben. Aber ich denke mit Grauen daran, wie ich für meine Diplomarbeit Experteninterviews abtippte. Hast Du einen Assistenten, der Deine Audio-Notizen in den Computer hackt? Oder erledigen das heute schlaue Programme?

Das muss ich selbst machen und ist ehrlich gesagt immer der mühseligste Teil.

Allerdings sortiere ich dabei schon immer aus und formulier es entsprechend kürzer in meinem Planungstool am Laptop. Insofern ist es sehr wichtig, dass ich es selbst mache.

 

Welches Planungstool benutzt Du denn?

Ich benutze Scrivener zum Planen und Papyrus zum Schreiben.

 

Interessant: beide Schreibprogramme für unterschiedliche Zwecke! Dazu könnte ich Dich jetzt weiter löchern, aber dann kommen wir vom Thema ab. Also: Warum reicht eigentlich kein Smartphone?

Mein Diktiergerät hat vier Ordner, die ich entsprechend nutze.

Zum Beispiel ist ein Ordner nur für komplett neue Storyideen, während die anderen für mein aktuelles Projekt reserviert sind. Das schafft Struktur, was ein Smartphone nicht kann.

Außerdem drück ich bei meinem Diktiergerät einfach den Aufnahmeknopf, während ich das Smartphone zuerst einschalten müsste. Mit der Dunkelheit wär es dann schon wieder vorbei.

 

Danke für die hilfreichen Antworten! Auf meiner Weihnachtswunschliste steht jetzt ein digitales Diktiergerät: Auf was sollte ich beim Kauf achten?

Auf ausreichend Speicherkapazität! Ein Diktiergerät ist schneller vollgesprochen, als man denkt, daher sollten genug Sprachmemos draufpassen.

Mir persönlich war noch wichtig, dass es mehrere Aufnahmeordner gibt.

 

Danke für das inspirierende Interview und viel Erfolg für Deine Bücher!

 

Nutzt Du auch ein Diktiergerät beim Schreiben?

Welche Tipps hast Du?

Oder hast Du auch Lust bekommen, ein Diktiergerät beim Schreiben auszuprobieren?

Ich freue mich über einen Austausch in den Kommentaren.

 

… und wenn Dich das Interview inspiriert hat, dann teile es gern in Deinem Netzwerk!

Der neue Psychothriller von Patrica Walter

Dunkle Vergangenheit

DUNKLE VERGANGENHEIT

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Lilly, die achtjährige Tochter der TV-Journalistin Kim Jansen, verschwindet spurlos. Wenig später meldet sich der Entführer: Entweder Kim gesteht öffentlich die Taten ihrer Vergangenheit, oder er tötet Lilly. Für Kim beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie muss ihre Tochter und den Erpresser finden – vor der Polizei. Denn die Wahrheit darf niemals ans Licht kommen …

Website der Autorin: www.patricia-walter.de
Twitter-Account: www.twitter.com/walter_patricia